Vom Loslassen lernen: Was uns der Herbst über unsere eigenen Zyklen verrät

Veröffentlicht am 28. Oktober 2026 um 11:27

Jeder, der einen Blick in die Natur wirft, kann zur Zeit eine große Veränderung feststellen. Es wird kühler, das Licht verändert sich, der Wald wird stiller und die Blätter verfärben sich bunt und fallen ab.
Ich spüre das meist schon sehr früh im Jahr, oft schon Ende August, dass es langsam Herbst wird. Die Stimmung verändert sich. Es tritt ein „Herbstgefühl“ ein. Es riecht nach Herbst lange bevor es Herbst wird.

In diesen Moment spüre ich, wie es schwerer wird. Es kommt das Gefühl von Loslassen, was ich noch nicht loslassen möchte. Ein Sehnsuchtsgefühl irgendwie.
Ich wehre mich innerlich dagegen, weil ich nicht akzeptieren kann, was die Natur schon längst akzeptiert hat.

Der Baum kämpft nicht um jedes einzelne Blatt, sondern lässt geschehen, was dran ist.

Wir Menschen unterliegen auch diesen Zyklen, tun uns nur manchmal schwer damit, unsere „Sommer-Blüte“ abzuwerfen.
Der Herbst ist quasi eine Einladung der Natur, den eigenen Blick von der wunderschönen Blütenpracht des Frühjahrs und Sommers wieder mehr nach innen zu richten und zur Ruhe zu kommen. Wir müssen keine Höchstleistungen mehr bringen, wir dürfen uns mit uns selbst beschäftigen.

Achtsamkeitsfragen:

  • Was darf gehen? Welche Gewohnheiten, Erwartungen oder Lasten möchte ich wie ein altes Blatt abwerfen?
  • Was braucht Schutz? Welche Wünsche und Kräfte ziehen sich jetzt tief in meine Wurzeln zurück, um über den Winter zu reifen?
  • Wo leiste ich Widerstand? Gegen welche natürlichen Veränderungen im Leben kämpfe ich aktuell an?

Impulse, um dem bevorstehenden Novemberblues etwas zu entfliehen:

  • Das Tempo drosseln:

    Baue bewusst Pausen in deinen Alltag ein und reduziere den Druck, ständig produktiv sein zu müssen. Frage dich: Was passiert, wenn ich das nicht sofort erledige, sondern erst in einer halben Stunde?
    Vielleicht nutzt du diese Zeit für eine wohltuende Meditation, ein kurzes Gespräch mit einer Freundin, einem Freund oder deinem/deiner Partner/in. Oder du schenkst deinem Haustier eine bewusste Streicheleinheit.

  • Kleine Herbst-Rituale:

    Ein Spaziergang im Regen, eine Tasse Tee in Stille, Kerzenlicht, Tagebuch schreiben, zeichnen, Klavier spielen oder ein gutes Buch lesen – selbst wenn es „nur“ eine Seite ist.
    Manchmal fange ich mit etwas gar nicht erst an, weil ich denke: „Das lohnt sich doch nicht, ich habe ja nur eine halbe Stunde.“ Aber das ist Quatsch. Eine halbe Stunde findet sich jeden Tag – besonders, wenn du sie bewusst als kleines Ritual einplanst. So kommst du Schritt für Schritt weiter … und liest Tag für Tag eine weitere Seite.

  • Erdung spüren: Letzte Woche habe ich bei meinem Waldabenteuer Fußgymnastik gemacht: barfuß über den eiskalten, harten Boden laufen, Eicheln mit den Zehen aufsammeln, mit einem Stock schreiben … In solchen Momenten kommst du aus dem Kopf heraus, denn dein Gehirn wird ganz unmittelbar mit dem kalten Boden konfrontiert. Du spürst den Untergrund unter deinen Füßen und richtest deine Aufmerksamkeit wieder auf deinen Körper. Anschließend sind die Füße gut durchblutet und werden schnell wieder warm. Eine wohltuende Übung für Körper und Gehirn.

Das Loslassen im Herbst ist kein Ende, sondern die notwendige Voraussetzung für ein neues Aufblühen im Frühjahr. 

Abschließende Frage an dich: Was bedeutet der Jahreszeitenwechsel für dich? Fällt es dir leicht mit dem Rhythmus der Natur mitzugehen? 🍁🍂🌬️🌧️