Eine Ziege steht auf einem Felsen. Kein besonders bequemer Ort, kein sicherer Weg, kein Geländer. Und trotzdem wirkt sie nicht fehl am Platz. Im Gegenteil: Sie steht ruhig, fast selbstverständlich, als wäre genau das ihr Terrain.
Vielleicht liegt es nicht an dem Felsen, sondern an der Haltung. Während wir oft versuchen Hindernissen auszuweichen, versucht die Ziege den nächsten Tritt zu finden.
Und? Sie findet ihn!
Die Steine sind nicht das Problem. Es werden dir immer wieder Steine in den Weg gelegt, aber wie sagt man so schön "Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen."
Für mich, als kletterbegeisterte Ziege, sollte der Spruch eher lauten "Steine, die einem in den Weg gelegt werden, wollen nicht immer verbaut, sondern manche auch bestiegen werden".
Es geht also nicht darum, diesen Stein zu untersuchen und den Blödmann zu finden, der mir den in den Weg gelegt hat, sondern darum sich zu positionieren. Lasse ich mich von diesem Stein einschüchtern oder sollte ich meine Energie lieber in die Bewegung stecken?
Die Steine im Weg verschwinden nicht. Sie werden nicht kleiner, nicht weicher, nicht freundlicher. Aber sie verändern ihre Bedeutung, wenn wir lernen, auf ihnen zu stehen, statt über sie zu stolpern.
Wir sind es gewohnt, Widerstand als Störung zu sehen. Als etwas, das uns aufhält, das uns Zeit kostet, Kraft raubt, Pläne durchkreuzt. Und ja, genau das tut er auch. Aber vielleicht ist das nur die halbe Wahrheit.
Ein Stein kann blockieren.
Oder er kann tragen.
Der Unterschied liegt selten im Stein selbst. Er liegt in der Art, wie wir uns ihm nähern. Ob wir stehen bleiben und hadern – oder einen Schritt machen und prüfen, ob er uns hält.
Trittsicherheit entsteht nicht auf ebenem Boden. Sie entsteht dort, wo wir gezwungen sind, genauer hinzusehen. Wo wir unser Gleichgewicht finden müssen, statt uns darauf zu verlassen, dass alles glattläuft. Jeder unsichere Schritt schärft das Gefühl für den nächsten.
Die Ziege auf dem Felsen denkt nicht darüber nach, ob der Weg ideal ist. Sie geht ihn einfach. Schritt für Schritt. Nicht perfekt, aber aufmerksam. Nicht ohne Risiko, aber mit Vertrauen in die eigene Fähigkeit, sich anzupassen.
Vielleicht ist das die eigentliche Kunst:
nicht darauf zu warten, dass der Weg einfacher wird,
sondern sicherer darin zu werden, ihn zu gehen.
Die Steine bleiben.
Aber sie sind nicht nur Hindernisse.
Man kann über sie stolpern.
Oder auf ihnen stehen.
👉🏻 Eine kleine Ziegen-Aufgabe für dich:
Frage dich doch mal:
"Welcher Stein trägt mich gerade weiter, wenn ich ihn nicht als Blockade sehe?“